Prompting in der Bankausbildung – Drei Praxisaufgaben

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit in Banken und Verwaltungen grundlegend. Doch KI liefert nur dann gute Ergebnisse, wenn wir sie richtig steuern können. Prompting – also die Kunst, präzise Anweisungen zu formulieren – wird damit zur beruflichen Schlüsselkompetenz für Bankauszubildende.


Die folgenden drei Aufgaben führen Sie vom Grundlagen-Prompting über die Anwendung in Fachprozessen bis hin zum zielgruppengerechten Transfer. Jede Aufgabe enthält Szenario, Teilaufgaben, Reflexionsfragen, typische Fehlerquellen und Differenzierungsmöglichkeiten.

Was passiert, wenn KI für dich denkt – Infografik

Quelle: Eigene Darstellung – „Was passiert, wenn KI für dich denkt“

„Was du nicht übst, verlierst du.“ – Diese einfache Wahrheit gilt auch für das Denken. Wer täglich Entscheidungen an KI delegiert, trainiert seine eigene Urteilsfähigkeit nicht mehr.

Die Gefahr der Denk-Faulheit

Studien zeigen: Wer sich zu sehr auf assistive Systeme verlässt, verliert mit der Zeit die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge eigenständig zu durchdringen. In einer Bank, wo Entscheidungen weitreichende Folgen für Kund:innen haben, ist kritisches Denken jedoch unverzichtbar.

  • 1 Jahr: Anfangs spürt man noch keinen Unterschied – die KI liefert zuverlässige Ergebnisse.
  • 3 Jahre: Die eigene Denkmuskulatur ist geschwächt. Bei Ausfällen der KI fehlt die Routine zur manuellen Prüfung.
  • Langfristig: Ohne regelmäßige kognitive Herausforderungen bauen Fähigkeiten ab – ein Risiko für die gesamte Bank.

Was wir stattdessen tun sollten

KI ist ein mächtiges Werkzeug – aber nur dann wertvoll, wenn wir ihre Grenzen kennen und unsere eigenen Kompetenzen gezielt weiterentwickeln. Für Auszubildende heißt das:

  • Verstehen: Wie funktioniert die KI? Welche Daten verarbeitet sie?
  • Hinterfragen: Plausibilisieren Sie die Ergebnisse – immer!
  • Üben: Lösen Sie Aufgaben auch manuell, um das Gefühl für Zahlen und Zusammenhänge zu behalten.
  • Gestalten: Wer die Technologie versteht, kann sie gezielt einsetzen und Verbesserungen vorschlagen.

Die Kernbotschaft für Ihre Ausbildung

KI ist ein Verstärker für Ihre Fähigkeiten – kein Ersatz. Nutzen Sie sie klug, aber bleiben Sie selbst denkfähig. Üben Sie regelmäßig das eigenständige Lösen von Problemen, denn: Was Sie nicht üben, verlieren Sie.


Didaktische Einordnung

Die drei Aufgaben folgen dem Kompetenzmodell „Prompting als berufliche Handlungskompetenz“ und sind auf drei Niveaustufen aufgebaut:

Niveau Beschreibung Aufgabe
Grundlagen Prompt-Struktur verstehen und anwenden Aufgabe 1
Anwendung Prompting in Fachprozesse integrieren Aufgabe 2
Transfer Prompting kritisch reflektieren und adaptieren Aufgabe 3

Niveau 1 – Grundlagen

Aufgabe 1: Kundenkommunikation – Vom schwachen zum professionellen Prompt

Ausgangsszenario

Du arbeitest im Kundenservice einer Genossenschaftsbank. Folgende E-Mail geht ein:

„Guten Tag,

ich habe vor 3 Tagen eine Überweisung von 2.500 € an einen Händler getätigt. Der Betrag wurde von meinem Konto abgebucht, ist aber beim Empfänger nicht angekommen. Ich habe schon zweimal angerufen, aber niemand konnte mir helfen. Ich brauche das Geld dringend zurück, sonst platzt mein Urlaub! Wenn das nicht schnell geklärt wird, wechsle ich die Bank!

Mit freundlichen Grüßen, Herr M.“

Zusatzinformationen (nur für dich, nicht für die KI):

  • Es handelt sich um eine SEPA-Überweisung mit normaler Ausführungsfrist (1 Geschäftstag).
  • Der Empfänger ist ein Onlinehändler mit Sitz in den Niederlanden.
  • Herr M. ist seit 12 Jahren Kunde, hat ein Girokonto mit Online-Banking.
  • Die Überweisung wurde am Freitag nach Cut-off (nach 12:00 Uhr) erfasst.
Teilaufgaben

1a) Analysephase – Was braucht die KI, um gut zu antworten?

Erstelle eine Checkliste mit mindestens 8 Informationen, die ein guter Prompt enthalten muss:

  • Rolle der KI
  • Zielgruppe
  • Fachlicher Kontext
  • Rechtliche Rahmenbedingungen (z. B. § 675u BGB, SEPA-Regelwerk)
  • Tonfall
  • Format
  • Länge
  • Handlungsaufforderung

1b) Prompt-Vergleich – Drei Qualitätsstufen

Formuliere drei Prompts zum selben Sachverhalt:

Stufe Prompt-Charakter Beispiel
Schwach Minimal, keine Struktur „Schreib eine Antwort auf diese Kundenmail.“
Mittel Rolle + Kontext, aber vage „Du bist Bankberater. Antworte freundlich auf die Beschwerde von Herrn M.“
Stark Vollständige Struktur mit Fachvorgaben (siehe Beispiel unten)

Beispiel für einen starken Prompt:

Rolle: Du bist erfahrener Kundenberater im Servicecenter einer Genossenschaftsbank. Kontext: Kunde Herr M. (12 Jahre Kunde, Online-Banking) beschwert sich über eine nicht angekommene SEPA-Überweisung von 2.500 € an einen niederländischen Onlinehändler. Die Überweisung wurde am Freitag nach Cut-off erfasst. Der Kunde droht mit Bankwechsel. Aufgabe: Formuliere eine E-Mail-Antwort, die: - sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, - den Sachverhalt sachlich erklärt (Ausführungsfrist, Cut-off-Zeiten, Nachforschung), - konkrete nächste Schritte nennt (Nachforschungsauftrag, Kontakt zum Empfänger, Frist), - dem Kunden Sicherheit gibt, ohne Garantien zu geben, - eine Alternative anbietet (persönlicher Rückruf). Ton: Höflich, professionell, beruhigend, lösungsorientiert – nicht defensiv. Format: E-Mail mit Betreff, Anrede, Hauptteil (max. 200 Wörter), Grußformel. Rechtlicher Hinweis: Keine Rechtsberatung, sondern Verweis auf AGB und SEPA-Regeln.

1c) Bewertung der KI-Antworten

Bewerte die drei resultierenden Antworten anhand folgender Kriterien (jeweils 1–5 Punkte):

Kriterium Schwacher Prompt Mittlerer Prompt Starker Prompt
Fachliche Korrektheit
Kundenorientierung
Vollständigkeit
Ton
Handlungsorientierung

1d) Reflexionsfragen

  1. Warum liefert ein struktureller Prompt bessere Ergebnisse, obwohl die KI dieselbe ist?
  2. Welche Informationen hättest du nicht in den Prompt schreiben dürfen (Datenschutz)?
  3. Wie würdest du den Prompt anpassen, wenn der Kunde englischsprachig wäre?
  4. Was passiert, wenn du der KI falsche Fakten gibst – und wie kannst du das erkennen?

1e) Typische Fehlerquellen (zur Selbstkontrolle)

  • Rolle fehlt → KI antwortet neutral/allgemein
  • Kein Format vorgegeben → KI schreibt Roman oder Stichpunkte
  • Keine Längenbegrenzung → Antwort zu lang für Kundenkommunikation
  • Keine rechtlichen Grenzen → KI erfindet Paragrafen
  • Zu viele Details → KI verliert den Fokus

1f) Differenzierung


Niveau 2 – Anwendung

Aufgabe 2: Kreditprüfung – Prompting als Entscheidungsvorbereitung

Ausgangsszenario

Die Kreditabteilung prüft einen Baufinanzierungsantrag. Folgende Daten liegen vor:

Alter38 Jahre
BerufAngestellter (unbefristet, 8 Jahre im Unternehmen)
Nettoeinkommen3.200 €/Monat
Darlehen250.000 €
Zinssatz (Soll)3,8 % p. a.
Laufzeit25 Jahre
Eigenkapital40.000 €
Monatliche Rateca. 1.290 €
Autokredit280 €/Monat
Sonstige Kreditekeine
Familienstandverheiratet, 1 Kind
PartnerinTeilzeit, 1.100 €/Monat netto

Zusätzliche Rahmenbedingungen:

  • Bankinterne Faustregel: max. 35 % des Nettoeinkommens für Kreditraten.
  • § 505a BGB (Kreditwürdigkeitsprüfung) ist zu beachten.
  • Die KI darf keine rechtsverbindliche Entscheidung treffen.
  • Es fehlen: Schufa-Auskunft, Sicherheiten, genaue Bonitätsunterlagen, Haushaltsrechnung.
Teilaufgaben

2a) Prompt-Entwicklung mit Rollen- und Grenzdefinition

Formuliere einen Prompt, der die KI anweist:

  1. Rolle: „Du bist ein erfahrener Kreditsachbearbeiter in einer mittelständischen Bank.“
  2. Aufgabe: „Erstelle eine Entscheidungsvorlage für den Kreditausschuss.“
  3. Berechnungen:
    • Gesamtbelastung (Rate + Autokredit)
    • Belastungsquote (bezogen auf Haushaltseinkommen)
    • Tragfähigkeitsbewertung nach Faustregel
    • Restschuld nach 10 Jahren (bei gleicher Rate)
  4. Risikoanalyse:
    • Zinsänderungsrisiko
    • Einkommensrisiko (Partnerin Teilzeit)
    • Familienrisiko (Kind)
    • Sicherheitenrisiko
  5. Fehlende Informationen: Liste mit mindestens 5 Punkten.
  6. Format: Strukturierte Vorlage mit Überschriften, Tabellen, Fazit.
  7. Grenze: „Triff keine endgültige Entscheidung. Formuliere eine Empfehlung mit Vorbehalt.“

2b) Prompt-Varianten und ihre Wirkung

Teste drei Varianten:

Variante Prompt-Änderung Erwartete Wirkung
A Ohne Rollenvorgabe Allgemeine, unverbindliche Antwort
B Mit Rolle, aber ohne Grenzen KI könnte Entscheidung treffen
C Mit Rolle, Grenzen und Format Strukturierte, verantwortungsvolle Vorlage

2c) Fachliche Prüfung der KI-Antwort

Prüfe die KI-Ausgabe auf:

2d) Reflexionsfragen

  1. Warum ist es gefährlich, wenn die KI eine endgültige Kreditentscheidung trifft?
  2. Welche Haftungsfragen entstehen, wenn ein Auszubildender einen KI-Vorschlag ungeprüft übernimmt?
  3. Wie kann Prompting die Qualität der Entscheidungsvorlage verbessern – und wo bleiben Grenzen?
  4. Welche ethischen Aspekte sind zu beachten (Diskriminierung, Bias, Fairness)?

2e) Typische Fehlerquellen

  • KI rechnet mit falschen Formeln → Prompt mit „Erkläre jeden Rechenschritt“ ergänzen
  • KI erfindet Paragrafen → „Nenne nur Paragrafen, die du sicher kennst“
  • KI gibt Garantien → „Formuliere ausschließlich mit Vorbehalt“
  • KI ignoriert fehlende Daten → „Liste explizit fehlende Informationen auf“

2f) Differenzierung


Niveau 3 – Transfer

Aufgabe 3: Zielgruppengerechtes Prompting – Finanzwissen verständlich vermitteln

Ausgangsszenario

Ein Kunde versteht den Unterschied zwischen Soll- und Habenzins sowie effektivem Jahreszins nicht. Du sollst ihm das in verständlicher Sprache erklären – ohne Fachjargon.

Zusatzinformationen:

  • Der Kunde ist 60 Jahre, skeptisch gegenüber Banken, hat kein Finanzwissen.
  • Er hat ein Sparkonto und ein Girokonto.
  • Er beschwert sich: „Warum bekomme ich nur 0,5 % Habenzins, aber zahle 8 % Sollzins?“
  • Ziel: Verständnis schaffen, nicht Produktverkauf.
Teilaufgaben

3a) Prompt-Design für drei Zielgruppen

Formuliere drei Prompts, die sich nur in der Zielgruppenbeschreibung unterscheiden:

Version Zielgruppe Besonderheit
A 60-jähriger skeptischer Kunde Alltagsanalogie, Geduld, keine Fachbegriffe
B Auszubildender 1. Lehrjahr Fachlich korrekt, aber didaktisch aufbereitet
C Kind (10 Jahre) Spielerisch, bildhaft, maximal 80 Wörter

Beispiel-Prompt (Version A):

Rolle: Du bist ein geduldiger Bankmitarbeiter, der einem 60-jährigen Kunden Finanzbegriffe erklärt. Der Kunde ist skeptisch und hat kein Finanzwissen. Aufgabe: Erkläre den Unterschied zwischen Sollzins, Habenzins und effektivem Jahreszins. Verwende eine Alltagsanalogie (z. B. Verleih von Werkzeug). Vermeide Fachbegriffe oder erkläre sie sofort. Maximal 150 Wörter. Schließe mit einer konkreten Handlungsempfehlung für den Kunden. Ton: Ruhig, respektvoll, nicht belehrend.

3b) Vergleich der KI-Antworten

Analysiere die drei Antworten:

Kriterium Version A Version B Version C
Verständlichkeit
Fachliche Korrektheit
Zielgruppenangemessenheit
Länge
Handlungsorientierung

3c) Prompt-Optimierung

Verbessere einen der drei Prompts so, dass die KI:

3d) Reflexionsfragen

  1. Wie verändert die Zielgruppenbeschreibung im Prompt die Sprache und Tiefe der Antwort?
  2. Warum ist es wichtig, der KI zu sagen, was sie nicht tun soll (z. B. „keine Produktempfehlung“)?
  3. Wie kannst du mit Prompting Missverständnisse aufdecken und korrigieren?
  4. Welche Rolle spielt Empathie im Prompting – und kann KI das überhaupt?

3e) Typische Fehlerquellen

  • Zielgruppe zu vage („Erklär es einfach“) → KI bleibt allgemein
  • Keine Längenbegrenzung → Antwort zu komplex
  • Keine Analogie vorgegeben → KI nutzt Fachsprache
  • Keine Handlungsaufforderung → Kunde weiß nicht, was zu tun ist

3f) Differenzierung


Übergreifende Reflexion und Transfer

Meta-Reflexion (für alle Aufgaben)
  1. Was kann KI beim Prompting leisten – und was nicht?
    • KI kann: formulieren, strukturieren, berechnen, variieren.
    • KI kann nicht: Verantwortung übernehmen, ethisch urteilen, haften.
  2. Wie verändert Prompting die Rolle des Bankauszubildenden?
    • Vom Ausführenden zum Steuernden und Prüfenden.
    • Neue Kompetenz: Prompt-Kompetenz als Teil der digitalen Souveränität.
  3. Welche Gefahren entstehen durch schlechtes Prompting?
    • Falsche Kundenkommunikation
    • Fehlerhafte Kreditentscheidungen
    • Datenschutzverstöße
    • Haftungsrisiken
  4. Wie kann Prompting in der Ausbildung systematisch verankert werden?
    • Als eigenes Lernfeld „Digitale Kommunikation und KI“
    • Als Prüfungsbestandteil (z. B. „Erstelle einen Prompt für...“)
    • Als Reflexionsinstrument (Prompt-Tagebuch)